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Energie & Netze · 2 Min Lesezeit

EU-Stromnetze: Warum zentrale Finanzierung stockt

Fast die Hälfte der EU-Stromleitungen ist älter als 40 Jahre, wie der Europäische Rechnungshof analysiert hat. Gleichzeitig blockieren spekulativ gesicherte Netzanschlüsse den Zugang für umsetzungsbereite Erneuerbare-Projekte.

EU-Stromnetze: Veraltete Infrastruktur gefährdet die Energiewende

Europas Stromnetz stammt zu einem Großteil noch aus dem 20. Jahrhundert. Fast die Hälfte aller Stromleitungen in der EU ist laut einer Analyse des Europäischen Rechnungshofs (EuRH) älter als 40 Jahre. Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien rasant, während die nötige Netzinfrastruktur hinterherhinkt. Der EuRH warnt vor weitreichenden Konsequenzen für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit in der EU.

Strukturelle Schwächen auf mehreren Ebenen

Ein gemeinsamer Bericht von Beyond Fossil Fuels, E3G, Ember und dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis untersuchte 32 Stromübertragungsnetzbetreiber (ÜNB) in 28 Ländern. Das Ergebnis: Viele dieser Betreiber planen auf Basis veralteter Regierungsziele und überholter Annahmen über den Strommarkt. Diese Planungslücken gefährden den Anschluss neuer erneuerbarer Projekte an das Netz.

Juliet Phillips, Energiereferentin bei Beyond Fossil Fuels, formuliert es deutlich: "Die Regierungen müssen dringend diese Fehler aus dem Planungssystem entfernen, damit die Netzbetreiber erneuerbare Projekte anschließen können."

Ein weiteres Problem sind ineffiziente Reservierungssysteme für Netzanschlüsse. Bernard Gustin, Vorstandschef der Elia Group, die das Stromnetz in Belgien und Teilen Deutschlands betreibt, warnte gegenüber der Financial Times vor einer wachsenden Zahl spekulativer und unzureichend vorbereiteter Projekte. Diese hätten sich frühzeitig Netzanschlüsse gesichert, ohne tatsächlich umsetzungsbereit zu sein, und blockierten dadurch Kapazitäten für andere Vorhaben.

Was das für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet

1. Höhere Netzentgelte sind möglich Der EuRH fordert tiefgreifende und rasch umgesetzte Investitionen in die Netzinfrastruktur. Die Finanzierung solcher Modernisierungen fließt in der Regel über Netzentgelte in die Stromrechnung ein. Steigen die Investitionsvolumina, können auch die Netzentgelte für Haushalte und Gewerbe unter Druck geraten.

2. Verzögerte Integration erneuerbarer Energien Solange Netzkapazitäten durch spekulative Projekte blockiert oder schlicht nicht ausreichend vorhanden sind, können fertige Wind- und Solaranlagen ihren Strom nicht vollständig ins Netz einspeisen. Das bremst den Ausbau sauberer Energie und kann die Strompreisvolatilität erhöhen.

3. Versorgungssicherheit bleibt ein Thema Der EuRH warnt explizit vor Konsequenzen für die Versorgungssicherheit. Ein veraltetes Netz ist anfälliger für Ausfälle, was Unternehmen wie Privathaushalte betrifft. Die EU hatte zudem einen Fahrplan für den Ausstieg aus den verbleibenden russischen fossilen Brennstoffen bis 2027 angekündigt, für den funktionsfähige Stromnetze eine zentrale Rolle spielen.

4. Zeitplan für den Ausbau ist ehrgeizig Der aktuelle Planungsstand sieht zwischen 2024 und den kommenden Jahren milliardenschwere Investitionen in die Netzinfrastruktur vor. Ob diese Mittel rechtzeitig fließen und koordiniert eingesetzt werden, hängt auch davon ab, ob sich die EU-Mitgliedstaaten auf gemeinsame Finanzierungsmechanismen einigen können, was bislang stockt.

Einordnung

Der Befund ist nicht neu, gewinnt aber an Dringlichkeit. Steigende Stromnachfrage durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Industrie trifft auf eine Infrastruktur, die für diese Last nicht ausgelegt wurde. Ob und wie schnell eine Lösung gelingt, hängt wesentlich von politischen Entscheidungen auf EU- und nationaler Ebene ab. Überdehnte Kausalitäten helfen dabei nicht weiter, wohl aber klare Zuständigkeiten und transparente Investitionspläne.

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Quellen