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Politik & Förderung · 2 Min Lesezeit

SAF-Quote verschärft: Deutschland setzt auf nachhaltigeres Kerosin

Das Bundesverkehrsministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Fluggesellschaften bei Starts von EU-Flughäfen verpflichtet, mindestens 90 Prozent ihres jährlichen Kerosinbedarfs innerhalb der EU zu tanken. Verstöße sollen mit einer Abgabe von rund 1.300 Euro pro Tonne Fehlmenge geahndet werden

Nachhaltige Luftfahrt: Deutschland verschärft Regeln zur Kerosin-Betankung

Fluggesellschaften, die von deutschen Flughäfen starten, sollen künftig mindestens 90 Prozent ihres jährlichen Kerosinbedarfs innerhalb der Europäischen Union tanken. Ein Gesetzentwurf des Bundesverkehrsministeriums vom 5. August 2026 sieht vor, dass Airlines bei Verstößen gegen diese Vorgabe eine Abgabe von zunächst rund 1.300 Euro pro Tonne Fehlmenge zahlen müssen. Die Regelung ist Teil des europäischen ReFuelEU-Aviation-Rahmens, der den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, kurz SAF) im Luftverkehr schrittweise ausweiten soll.

Warum diese Regel, warum jetzt?

Der Hintergrund ist praktischer Natur: Würden Fluggesellschaften außerhalb der EU übermäßig viel Kerosin bunkern, um teurere SAF-Beimischungen in Europa zu umgehen, stiege das Flugzeuggewicht. Das führt laut Bundesverkehrsministerium zu größeren Umweltbelastungen durch den höheren Treibstoffverbrauch auf dem Rückflug. Die 90-Prozent-Pflicht soll dieses sogenannte "Tankering" eindämmen.

Nachhaltiges Kerosin ist in der Regel teurer als konventionelles Jet-Fuel. Der ReFuelEU-Rahmen schreibt steigende Beimischungsquoten vor, zu denen auch E-Kerosin, also synthetischer Kraftstoff auf Basis von grünem Wasserstoff und CO2, zählt.

Was bedeutet das für Flugreisende?

1. Möglicher Kostendruck auf Ticketpreise Höhere Betriebskosten durch teureres SAF können Fluggesellschaften grundsätzlich über Ticketpreise weitergeben. Ob und in welchem Umfang das geschieht, hängt vom Wettbewerb auf einzelnen Strecken ab. Belastbare Prognosen zu Preisveränderungen liegen derzeit nicht vor.

2. Standort Deutschland unter Druck Die Lufthansa Group beschreibt in ihrem Politikbrief vom Mai 2026, dass staatliche Abgaben und Standortkosten dem deutschen Streckennetz "schon lange zugesetzt" haben. Die gestiegenen Kerosinpreise infolge der Nahost-Krise haben diesen Druck zuletzt verstärkt; Lufthansa hat im April 2026 ihre Kapazität im Sommerflugplan um ein Prozent reduziert und unprofitable Verbindungen gestrichen. Neue regulatorische Kosten könnten diesen Trend verstärken, sind aber nicht der einzige Faktor.

3. Deutschland als potenzieller SAF-Produktionsstandort Laut einer Analyse von Transport & Environment (T&E) ist der deutsche Markt für E-Kerosin in Europa derzeit am weitesten entwickelt. T&E prognostiziert, dass Deutschland bis 2030 einen Anteil von 43 Prozent an der europäischen E-Kerosin-Produktion erreichen könnte. Eine heimische Produktion könnte langfristig die Abhängigkeit von importierten Kraftstoffen verringern, sofern ausreichend politische Anreize gesetzt werden.

4. Fluggesellschaften haben SAF-Ambitionen bisher gebremst Dass strengere Ziele bislang ausgeblieben sind, hat auch mit Branchenlobbyismus zu tun. Eine Untersuchung von T&E zeigt, dass Lufthansa und andere traditionelle Fluggesellschaften unter anderem über die IATA darauf hingewirkt haben, den ReFuelEU-Vorschlag abzuschwächen, etwa bei den Beimischungsquoten für E-Kerosin. Die nun geplante Strafabgabe von 1.300 Euro pro Tonne setzt einen finanziellen Rahmen, dessen Wirksamkeit von der konsequenten Umsetzung abhängt.

Einordnung

Die neue Betankungspflicht ist ein regulatorisches Instrument, das Umgehung bestraft, aber keine direkte Produktionshilfe für SAF darstellt. T&E-Referentin Silke Bölts formuliert es so: "Jetzt ist es an der Zeit, dass die nationalen und europäischen Gesetzgeber den gleichen Ehrgeiz an den Tag legen und Anreize für den Einsatz von E-Kerosin in der Luftfahrt schaffen." Ob Strafabgaben allein ausreichen, um den Markt für nachhaltige Flugkraftstoffe substanziell voranzubringen, bleibt eine offene Frage.

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Quellen


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